einfaltsreich

Dichter, als man denkt.

1 Anmerkung

Marie lebt!

Es tat das Raupentier Mariechen
von Blatt zu Blatt beharrlich kriechen
und wurd’ sie hungrig währenddessen,
dann konnte sie vom Blättchen fressen.

Und vom Verzehr der vielen Blätter
wurde das Raupenweib stets fetter
und konnt’ sich bald nicht mehr bewegen
und fiel ins Koma dann deswegen.

Ja, die Marie, einst froh und munter,
sie baumelt nun vom Zweig herunter
und bildet um sich rum schon Kruste,
weil sie nie ging, wenn sie mal musste.

Bald war’s soweit: Mariechen starb,
die graue Kruste ward ihr Grab.
Doch dann verließ die Raupenseele
mit buntem Schwung die dunkle Höhle!

Jetzt kann als Schmetterling Mariechen
statt Blattsalat an Blumen riechen
und bis zum Himmel kann sie schweben.
Es ist vollbracht: Ein neues Leben!

- Joh 3,3

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1 Anmerkung

Über den Fogelvlug.

Das folgende Gedicht erlangte Erforderlichkeit, da mir in Ermangelung eines Gedichtes über Pinguine und der gleichzeitigen Behauptung, ich könne nicht nicht kommunizieren, unterstellt wurde, ich kommunizierte durchs Nicht-über-Pinguine-kommunizieren, dass ich keine Pinguine mag. Deshalb kommuniziere ich nun über Pinguine. Denn ich mag Pinguine!


Einst wurden alle Vogelrassen,
zu leben dort in Ruh’ und Frieden,
in der Antarktis freigelassen,
dem großen Erdteil tief im
 Süden.

Doch bald schon wurd’ der Platz recht knapp,
um auf dem Boden nur zu leben,
die ersten Vögel hoben ab
und sie begannen, frei zu schweben.

Erst flatterten sie auf der Stelle,
dann Richtung Norden übers Meer,
und schließlich schwappt’ ne ganze Welle
von Wandervögeln hinterher.

So hat den Kontinent, den kalten,
verlassen bald die Vogelschar.
Es blieben dort nur noch Gestalten,
die gar nicht fliegen konnten, da.

Da war der Strauß, der einen Balken
von eines Schiffes Wrack erklomm
und damit - auf den Rat der Falken -
bis nach Australiens Festland schwomm.

Und die gewitzte Kiwiherde,
die als behaarte Frucht sich gab,
gelangt’ zum ander’n Teil der Erde
und legte dort die Tarnung ab.

So blieb nur noch - teils, weil lethargisch,
teils, weil er ohne Flugverstand,
der Pinguin, und das ist tragisch,
als letztes Federvieh an Land.

Doch wenn des Heimwehs Mächte siegen,
(Denn jeder Vogel ist antarktisch!)
sieht Schwärme man gen Süden fliegen.
Dann denkt man: “Pinguin, ich mag dich!”

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Der melancholische Kerzenständer.

Zur Weihnachtszeit, so ist es Brauch,
gibt’s Lebkuchen und Stollen auch
und noch ganz viele and’re Sachen,
die Weihnachten romantisch machen.

Zum Beispiel stellt man überall
Kerzen auf in großer Zahl,
damit diese jene Stellen
durch Verbrennungen erhellen.

Wichtig ist zur Lichterzeit
der Aspekt der Sicherheit:

Um den Brandfall zu umgehen,
soll die Kerze sicher stehen,
diesen Zweck erfüllt zumeist
ein Teil, das Kerzenständer heißt.

So ein Kerzenständer hält
überall auf dieser Welt
Kerzen fest, ob lang, ob breit,
und das nicht nur zur Weihnachtszeit!

Doch eines Frühlingstages wurd’
- als grad keine Kerze scheinte -
ein Kerzenständer namens Kurt
melancholisch. Und er weinte.

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Der Hasenfuß.

Ein Igel, der - wie ihr wohl wisst -
mit Stacheln reich garnieret ist,
der aber sonst - das wisst ihr wieder -
besitzet nur recht kurze Glieder,
der war - so nimmt ein Märchen an -
von einer Igelin der Mann.

Nun, bei der Arbeit auf dem Felde
begab es sich in rascher Bälde,
dass unser Igel ward entdecket
von einem Hasen. Dieser necket:
“Ach, schau dir deine Füßlein an!
Was sind die kurz, mein lieber Mann!”

Ihr wisst ja, Größe ist nicht alles!
Drum sprach im Falle dieses Falles
der Igel: “Richtig, doch sie reichen,
und ich muss noch nicht mal schleichen!
Zwar hält der Hase sich für schneller,
doch zum Beweis muss ein Duell her.

So steh’n die Kontrahenten wacker
voll Kampfeslust am Rand vom Acker.
Von dieser bis zur nächsten Ecke,
das sei der Weg, das sei die Strecke.
Es scheint der Zweikampf zwar nicht fair,
doch schon beginnt der Lauf, seht her!

Der Igel tut die ersten Schritte,
da ist der Has’ schon bis zur Mitte
und läuft auch weiter, sehr geschwind
rennt er aufs Ziele zu im Sprint,
doch seht - ja ist denn solches wahr? -
dort ruft der Igel: “Bin schon da!”

Wie konnt’ der Igel hier wohl siegen?
Ihr ahnt es schon: Er tat betrügen.
Und zwar, so schildert es das Märchen
war’n Mann und Weib beim Igelpärchen
sich ähnlich sehr, drum waren beide
an Start und Ziel - dem Has’ zum Leide!

Der wollte nicht verlieren und
er forderte aus diesem Grund
erneut ein Rennen querfeldein
und diesmal wollt’ er schneller sein!
Aber auch dieser Lauf zurück
erbrachte ihm kein Siegesglück.

Der Hase unterdrückt sein Fluchen
und will den Lauf auf’s neu’ versuchen
und abermals sieht man den Hasen
entlang der Ackerfurche rasen.
Der Igel siegt, der Has’ wird Zweiter,
drum will er nochmal, und so weiter…

Bis endlich dann nach langem Kampf
der Hase stirbt am Wadenkrampf
und - nach der Strategie befragt -
der Igel den Reportern sagt:
“Ich weiß halt, wie der Hase läuft!”
und auf den Sieg ein Bierchen säuft.

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Es ist so:

Sag, was sie denken, denn das ist die Kunst!
Nur so erlangst du der anderen Gunst.
Doch eigene Meinung, die kostet dich Mut
und niemand der anderen findet sie gut.
Sie sagen, das sei sehr beschränkt,
wenn man sowas eigenes denkt.

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Zum Weihnachtsfest.

Es wird gemeinhin angenommen,
dass es den Weihnachtsmann nicht gibt,
weshalb man, wenn Geschenke kommen,
das einfach auf die Eltern schiebt.

Und außerdem wird stets gemeint,
der Yeti sei nur Illusion,
weil er so selten nur erscheint.
Doch sagt mir, was beweist das schon?

Denn seht, es liegt doch auf der Hand:
Der Yeti ist auch Santa Claus!
Dies wird nur nicht sogleich erkennt,
er sieht ja auch ganz anders aus.

Doch hört mir zu: Zur Weihnachtszeit
zieht er sich and’re Sachen an,
sein “Ho Ho Ho” klingt nicht gescheit,
doch zeigt’s: Er ist der Weihnachtsmann!

Und schaut einmal genauer hin:
Vom Yeti, der sehr stark behaart,
sieht man, und das ergibt auch Sinn,
im roten Mantel nur den Bart.

Die Wahrheit ist nun kundgetan,
der Yeti sich nicht leugnen lässt,
genauso nicht der Weihnachtsmann.
ICH WÜNSCHE EUCH EIN FROHES FEST!

Abgelegt unter Gedicht Adventskalender Feierlichkeiten Weihnachten

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Rudolph, das erfundene Rentier.

Man singt in einem Weihnachtslied
vom Rentier, das den Schlitten zieht
und dessen Nase leuchtend brennt
und den man meistens “Rudolph” nennt.

Doch was ist dran an diesem Lied
vom Rentier, dessen Nase glüht
und der, wenn dieses Lied nicht lügt,
Geschenke durch die Gegend fliegt?

Nun will das Fest ich nicht vermiesen,
doch hat die Wissenschaft bewiesen,
dass weder Schlitten noch Weihnachtsmann
noch ein Rentier fliegen kann.

Auch hat man forschend festgestellt,
dass dieses Weihnachtsliedes Held
nicht über Leuchtkraft hat verfügt.
Somit ist klar: Der Liedtext lügt.

Doch halten wir das Lied in Ehren,
es kann uns schließlich eines lehren:
Bei Nebel ist ein Nebellicht
zur bess’ren Sicht
natürlich Pflicht.

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Die Stiefel des kleinen Rudis

Der Rudi war noch zart und klein
und noch im Kindergarten,
konnt’ sich bekleiden nicht allein,
er musst’ auf Hilfe warten.

Nun ward es Winter in der Stadt,
man musste warm sich kleiden,
womit das Kind Probleme hat,
auch mit den Stiefeln, beiden.

Drum half die Kindergartenkraft,
die Stiefel anzutragen,
mit großer Müh’ hat sie’s geschafft,
da tat der Rudi sagen:

“Die Stiefel sind verkehrtherum!”
und Recht hat er, der Kleine!
So zog die Tant’ die Stiefel um,
jetzt an die richt’gen Beine.

Und als auch dies Werk war vollbracht,
gab Rudi noch nicht Ruhe,
er blickt’ hinab und sagte sacht:
“Das sind nicht meine Schuhe!”

“Warum sagst du mir das erst jetzt?”,
die Tante wollt’ schon fluchen,
hat sich dann doch brav hingesetzt,
um’s wieder zu versuchen.

“Die sind nicht mir”, der Rudi spricht,
“denn sonst trägt die der Günther,
jetzt passen ihm die Stiefel nicht,
drum trag ich sie im Winter.”

Die Pädagogin weint schon fast,
als sie erneut sich zwinget,
den blöden Stiefel, der kaum passt,
an Rudis Füße bringet.

“Nun sag, wo deine Handschuh’ sind!”
fragt sie den Jungen klein.
“Die steckte ich”, erklärt’ das Kind,
vorn in die Stiefel rein.”

Abgelegt unter Gedicht Kinder Adventskalender Winter

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Das Søfå

Es lebte in Schweden ein Männlein mit Bart,
das hatte kein Haus und kein Garten.
Die Straße, sein Brot und das Leben war’n hart
und er hatte genug von dem Harten.

Es grübelte lang und zerfurchte die Stirn
und machte sich ernste Gedanken.
Dann endlich erfand sein zermartertes Hirn
‘ne Ruhstatt den Müden und Kranken.

Er baute aus Holz, das er irgendwo fand
ein Gestell und füllt’ Säcke mit Federn
und als die Erfindung dann schlussendlich stand
überzog er es auch noch mit Ledern.

Man konnte drauf sitzen, sich lehnen zurück,
man konnt’ sich auch längs darauf legen.
Der Mann war begeistert und jauchzte vor Glück,
doch es war es nicht ihm nur ein Segen.

Denn als er sein Möbel vergnüglich benutzt
beobachtete dies ein Späher.
Das Männlein entdeckte drum reichlich verdutzt
das Prachtstück kurz drauf bei IKEA.

Der Mann protestiert: „Das war meine Idee!
Was sollte denn die Spionage?“
Man gab ihm auch Recht und bezahlt ihm nun je
verkauftes Produkt seine Gage.

Nun gings dem Mann besser, er war ja nun reich
und kauft sich vom Geld nun ein Mofa.
Sein Brot und sein Bett und sein Pelz waren weich
und man nannte sein Sitzmöbel ‘Sofa’.

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Über den Untergang des Hofadels.

Es ritt einmal im Mittelalter
ein Ritter hin zum Burgverwalter
und fragt’ bei jenem Ehrenmann
verbindlich nach der Tochter an.

Er stieg vom Pferd und sprach zum Alten:
“Ich möcht’ um eine Hand anhalten
und zwar um die von Gisela,”
- so hieß die Tochter - “geht das klar?”

Der Alte sprach: “Das kannst du machen,
doch töt’ doch vorher grad den Drachen,
der Gisela gefangen hält,
dann kriegst du Land und Gut und Geld!”

“Na gut,” sprach der verliebte Freier,
“dann sagt, wo steckt das Ungeheuer?”
“Die Treppe rauf, die vierte Tür,
doch ich hab Angst, ich bleibe hier.”

Der Ritter stieg die Stufen rauf
und macht’ die vierte Türe auf
und blickte in den Raum hinein,
da schrie er auf: “Oh Schreck, oh nein!”

Kein Monster war dort, keine Echse,
kein Lindwurm, keine böse Hexe,
kein Burggespenst, nein, es war schlimmer,
man ahnt es schon: ein Frauenzimmer!

Dem Burgherr seine Frau Gemahlin,
die war in diesem Schreckenssaal drin,
hielt Gisela gefangen dort.
Der Ritter schluckte und ritt fort.

Abgelegt unter Gedicht Adventskalender Liebe Frauen Mittelalter